Über die Errichtung unserer Trauerhalle auf dem Friedhof

Bis 1959 war es in unserem Dorf üblich, dass Verstorbene bis zur Beisetzung zu Hause von den Angehörigen aufgebahrt wurden.

Dies sollte nun in einer Trauerhalle am Friedhof erfolgen können. So wurde 1959 beschlossen durch das NAW (Nationales  Aufbauwerk) eine Trauerhalle zwischen dem Friedhofsende und der damaligen Sandgrube (heute Brennplatz) zu bauen.

NAW bedeutete freiwilliger Arbeitseinsatz der Einwohner und die Gemeinde stellte das Baumaterial. Unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters Martin Borg haben Maurer und handwerklich geschickte Bürger diese Halle errichtet. Den größten Teil der Arbeiten hat aber der Bürgermeister selbst verrichtet.           

Das Schicksal sollte es dann fügen, dass Martin Borg nach der Fertigstellung der Trauerhalle verstarb und er als erster in dieser Halle aufgebahrt wurde.

Zu dieser Zeit galt folgende Regelung für Beerdigungen im Dorf:

„Alle Haushalte mit männlichen arbeitsfähigen Personen über 18 Jahre haben der Reihe nach, von Hausnummer 1 angefangen (es gab damals noch keine Straßennamen – das Dorf war durchnummeriert) jeweils 6 Personen das Grab zu schaufeln und die Bestattung durchzuführen. Wer verhindert ist, muß einen Ersatzmann stellen.“                                                                                             

Nach erfolgter Beisetzung und der Herrichtung des Grabes wurden diese Männer mit Essen und Trinken entschädigt.

Bis dahin mussten die  Hinterbliebenen die Personen für die Bestattungsarbeiten selbst aussuchen, was manchmal Schwierigkeiten bereitete, da Einzelne auch abgelehnt haben.

Günther Fischer

Blick in die für eine Beistzung ausgestaltete Trauerhalle

Der Friedhof von Fraßdorf

Wie früher üblich, wurden die Verstorbenen auf dem Gottesacker beerdigt. Der Gottesacker befand sich auf dem Standort der alten Kirchen.

Da Fraßdorf keine Kirche hatte, war der Gottesacker für die Fraßdorfer in Meilendorf. Wenn also jemand verstorben ist, wurde der Leichnam zu Hause 2 oder 3 Tage aufgebahrt und dann mit Pferd und Wagen nach Meilendorf zur Beerdigung gefahren.

So war meine Urgroßmutter – Friederike Gotthardt, gestorben am 27.01.1931  – die letzte  Fraßdorferin, die in Meilendorf beigesetzt wurde, bevor Fraßdorf über einen eigenen Friedhof verfügte.

Zum neuen Friedhof wurde in mehreren Gemeinderatssitzungen verhandelt. Hier ein Auszug aus dem Protokoll der Ratssitzung vom 19. Dezember 1930:

 „es ist schon längere Zeit der Wunsch laut geworden, in der Gemeinde selbst einen Friedhof anzulegen, da das Beerdigen der Verstorbenen und das spätere Pflegen der Gräber nach Meilendorf unbequem sei. Es wurde nun heute zum ersten mal der Gemeinde ein Lageplan über eine neue Friedhofsanlage vorgelegt, welche volle Zustimmung fand. Der Friedhof soll angelegt werden auf dem neu gekauften Acker von HOHMANN UND GÜNTHERS ERBEN am östlichen Ausgang des Dorfes Fraßdorf linksseits der Kreisstraße Fraßdorf-Meilendorf neben der alten Sandgruben. (heute Rodelberg und Brennplatz).
Nach längerer Verhandlung wurde die Anlage des Friedhofs auf dem vorerwähnten Platz einstimmig beschlossen und der Gemeindevorstand beantragte die  Genehmigung des anhaltischen Staatsministeriums durch die anhaltische Bezirksdirektion herbeizuführen.“

                              Fraßdorf, den 19.12.1931    Gotthardt, Gemeindevorstand

Auch in den Gemeinderatssitzungen vom 20.01.1931, 02.02.1931, 08.06.1931 und 14.12.1931 wurde über den neuen Friedhof beraten.

Dabei ging es um die Friedhofssatzung, die Umfriedung und die Bepflanzung.

Demnach wurde am 19. Dezember 1930 der Beschluß gefaßt, einen Friedhof anzulegen und die erste Beisetzung fand dann schon im Februar 1931 auf dem neuen Friedhof in Fraßdorf statt.

Es war die Beerdigung von Friedrich Reichardt, geb. 21.07.1844 – gest. 27.02.1931.

wie man sehen kann, haben die Jahre ihre Spuren hinterlassen

Da meine Urgroßmutter Friedericke Gotthardt (gest. 27.01.1931) aber vom  Meilendorfer Friedhof nach Fraßdorf umgebettet wurde, sieht es nach den Aufschriften der Grabsteine so aus, als wäre sie als erste auf dem neuen Friedhof beigesetzt worden. So nahm auch ich das lange Zeit an.

Aber über die Eröffnung des Friedhofs steht dazu im Anhalter Anzeiger vom 3. März 1931: „Mit der Errichtung des ersten Grabhügels auf dem Friedhof, der die sterblichen Überreste des Landwirts Friedrich Reichardt aus Fraßdorf barg, fand am Sonntag die Weihe statt. Pastor Waltsch aus Reupzig hielt die Trauerrede und übergab dem Ortsschulzen Gotthardt den neuerrichteten Friedhof. Unter reger Beteiligung der Gemeinde und unter Vorantritt des Kriegervereins Fraßdorf mit seiner Fahne wurde Fraßdorfs letzter Veteran zur Ruhe gebettet. Der verstorbene ehemalige Dorfschulze konnte noch im vorigenen Jahr mit seiner Frau, geb. Böttcher, das Fest der goldenen Hochzeit feiern.“                 

Es war uns deshalb immer ein großes Anliegen, daß dieses Grab der ersten Beisetzung auf unserem Friedhof erhalten bleibt!

Günther Fischer

Blick von der Trauerhalle aus linksseitig auf den Fraßdorfer Friedhof
Blick von der Trauerhalle aus rechtsseitig auf den Fraßdorfer Friedhof

Die Kirche zu Meilendorf

Im Gegensatz zu Fraßdorf scheint Meilendorf, erstmals urkundlich 1272 erwähnt, nie „wüst“ gewesen zu sein und schon immer eine Kirche gehabt zu haben. Wann die erste Kirche in Meilendorf gebaut wurde, läßt sich heute nicht genau sagen. Beim Abriß der 1717 erbauten Kirche im Jahr 1882 hat man im Schutt eine Anzahl Münzen aus der Zeit um 1390 gefunden, so daß anzunehmen ist, daß damals schon eine Kirche gestanden haben muß. Amtlich erwähnt wird die Kirche erstmals im Amtsregister von 1547: „Es ist ein Kirch zu Milendorf…“. Eindeutiger wird es im 18. Jahrhundert. Der Fürst LEOPOLD I von Anhalt-Dessau läßt 1717 bis 1723 eine neue Kirche bauen. „Der Turm ist durch seine Bauart und Höhe (ungefähr 105 Fuß hoch) verbunden mit der hohen Lage der Kirche der ansehnlichste in der ganzen Gegend und mehrere Meilen in der Rund sichtbar. Er ist, wie die Kirche selbst, ganz aus Mauersteinen ausgeführt – unten viereckig und von geringerer Breite als die Kirche – von der Mitte an achteckig und oben in eine schiefergedeckte Kuppel zusammengehend, welche in eine schlanke Spitze mit Knopf, Fahne und Stern ausläuft. Er besteht aus 4 Stockwerken. Jedes der 2 unteren hat 3fensterähnliche Öffnungenmit Löchern, das 3. runde und das oberste 4 große Schalllöcher. Im untersten Raum wurden die Bahren aufbewahrt“. Die Kirche hat 2 Glocken, die im Turm hängen. „Die große Glocke, 78 cm im Durchmesser, ist das Geschenk eines Ehepaares GRIESENBERG, das die Glocke wahrscheinlich nach dem Umbau der Kirche durch Fürst Leopold im Jahr 1717 anfertigen ließ. Wo das Ehepaar Griesenberg wohnte, weiß ich leider nicht. Auf der Glocke sind folgende Inschriften festgehalten:

JOHANN CHRISTOPH HIERING GOSS MICH IN LEIPZIG

_______________

DAVID GRIESENBERG

NEBST SEINEM EHEWEIBE MARGARETHE GRIESENBERGIN

HABEN DIESE GLOCKE IN DIE KIRCHE MEILENDORF

VEREHRET DEN 20. JUNI ANNO 1739

———

Die kleine Glocke, 69 cm Durchmesser, aus dem 14. Jahrhundert, trägt am oberen Rand den Spruch: „Die Stimme Gottes, der Friede des Herrn“. Alpha und Omega eröffnen und schließen die Inschrift. Das Läuten hat hier, außer bei Landestrauer, wo es die Gemeinde der Reihe nach verrichtet, durchaus der Schullehrer zu besorgen, ohne daß er irgend eine besondere Vergütung dafür erhält. Auszüge aus Matrikel der Kirche zu Meilendorf – 1842 – Mitteilungen über die 1717 erbaute Kirche. Inschrift über dem nördlichen Eingang der Kirche: „Anno 1717 / Bei glorwürdigem Regierung Serenis Fürst Leopold zu Anhalt etc. etc. ist diese Kirche nachdem durch Gottes gnade die hiesige Gemeinde sich verstärket und die vorige zu klein worden von Grund aus neu gebaut. Got erhalte das Hochfürstliche haus und diese seine Wohnung in Vatersegen und Gnade – Amen“ Diese Kirche von 1717 stand auf dem jetzigen Meilendorfer Friedhof, wo auch die 1. erbaute Kirche stand. Die Baukosten betrugen 1300 Reichstaler.
Im Jahr 1880 begann dann der Bau der 3. Kirche in Meilendorf. (Foto unten) Nachstehend ein Protokoll des Canzleidirektors BENNHOLD                       vom 15.08.1880 Am heutigen Tage Nachmittag 2 Uhr fand hier die Feierlichkeit zur Grundsteinlegung für den Neubau der hiesigen Kirche nach dem beigefügten Programm statt, jedoch mit der Abweichung, das der Herzogliche Bauinspektor Januskowski, welcher durch dringende anderweitige Berufsarbeiten wegen des in Folge eines in diesen Tagen bei Prag nieder gegangenen bedeutenden Wolkenbruchs zu fürchtenden Hochwassers im Elbstrome am Erscheinen verhindert war, durch den hier stationirten Bauführer Wrede aus Dessau vertreten wurde. Die neben genannten beiden Herren Com(m)issarien des Herzoglichen Consitoriums zu Dessau und der Unterschriebene hatten sich zu der vorerwähnten Zeit in der Cantorwohnung, wo die beiden Geistlichen: der Ortspfarrer für Meilendorf, Pfarrer TETTENBORN aus Reupzig, und der Pfarrer und Kreisschulinspector METTE aus Quellendorf – dieser letztere als Vertreter resp. Assistent des jetzt kränkelnden Pfarrers TETTENBORN – ebenfalls eingetroffen waren. Kurz darauf begab man sich nach dem an das Cantoratsgehöft grenzenden alten Kirchhofe, wo der Zug geordnet wurde, der sich dann programm-mäßig nach der auf dem Dorfplatze – nahe dem etwas eingeengten Teiche – gelegenen Baustelle der neuen Kirche in Bewegung setzte. Die Arbeiten für den Neubau der Kirche waren bereits ziemlich weit – bis zur Mauerhöhe –  vorgeschritten, weil die Feierlichkeit für die Grundsteinlegung auf Wunsch der Gemeinde Meilendorf und der nach Meilendorf eingepfarrten Gemeinden, namentlich der die Landleute seit Wochen viel beschäftigenden Erntearbeiten halber, bis heute zurückgestellt worden ist. Nachdem der durch Glockengeläut vom Thurme der z.Z. noch stehenden alten Kirche angekündigte Festzug unter Musikbegleitung sich im in(n)eren Raume der neuen Kirche eingefunden und aufgestellt hatte, wurde die Feierlichkeit, welche außer den im innern Kirchenraume versammelten vielen Gemeindegliedern auch nicht wenige erwachsene jüngere Leute auf den von ihnen erstiegenen Kirchenmauern beiwohnten, mit dem Absingen der drei ersten Verse des Liedes Nr. 636 aus dem Anhalt-Dessauischem Gesangbuche: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte pp“ eröffnet. Darauf hielt der Pfarrer METTE aus Quellendorf, in Vertretung des anwesenden Pfarrers TETTEBORN, eine Rede über die Bibelstelle im 1ten Briefe Pauli an die Korinther, Cap.1, Vers 30: „Von welchem auch ihr herkommet in Jesu Geiste, welcher uns gemacht ist  von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.“ Das Thema der Rede war: „Vom Neubau unseres Lebens und christlichen Wandels in Christo Jesu“. Nach Beendigung der Rede verlas der Cantor und Schullehrer des Ortes, BACHMANN, die hier gleichfalls beigefügte „Urkunde für den Grundstein der neu zu erbauenden Kirche in Meilendorf“. Dieses Document wurde nebst den in Dessau zuletzt erschienenen drei Nummern des Anhaltischen Staats-Anzeigers nebst einigen jetzt gangbaren Deutschen Münzen in das bereit gehaltene viereckige Behältnis von Zink gelegt. Nachdem dieses Behältnis verlöthet und in die links vom Austritte aus der projectirten Sacristei in den Kirchenraum leer gelassene Wandöffnung gestellt worden war, erfolgten die üblichen drei Hammerschläge in der durch das Programm festgestellten Reihenfolge – theilweise unter Hinzufügung von Segenswünschen – zuletzt auch die Hammerschläge des Pfarrers METTE aus Quellendorf, als des Beistandes des Pfarrers TETTEBORN, und des Unterschriebenen. Die darauf folgende Vermauerung der die Urkunde pp. Bergenden Wandöffnung geschah unter Absingung des Liedes Nr. 638 aus dem Anhalt-Dessauischen Gesangbuche: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehre pp.“ Seitens der Schulkinder. Das hiernächst vorgeschriebene Gebet nebst dem an dasselbe sich anschließende „Vater unser“ sprach der Ortspfarrer TRETTEBORN. Nachdem der  Herr Ober-Consistorialrath Dr. Theologiae Schubring über die (Ver)sammelten den Segen gegeben hatte, schloß mit der Absingung des Lied  Nr. 645 aus dem Anhalt-Dessauischen Gesangbuche. „Nun danket Alle Gott pp“ die Feierlichkeit, welche vom Wetter, das während der letzt verflossenen Wochen viele und nicht selten heftige Regengüsse gebracht hatte, begünstigt war und welche anscheinend einen recht befriedigenden Eindruck auf sämmtliche Anwesende gemacht hatte. Nach einer Pause von etwa einem Stündchen begannen die bei solchen Festlichkeiten üblichen Schuljugend- und Volksbelustigungen, und für die amtlich bei der Feierlichkeit anwesend Gewesenen fand ein Festmahl im Gasthofe des Dorfes statt, bei welchem Toost auf Seine Hoheit, den Herzog, und das ganze Herzogliche Haus , auf die kirchliche Oberbehörde, die anwesenden Mitgieder derselben insbesondere, auf alle Förderer und Arbeiter des Meilendorfer Kirchenneubaues u.s.w. ausgebracht wurden und welches in Herzlichkeit und Frohsinn seinen Verlauf nahm.

So nachrichtl. BENNHOLD Canzleidirector

AELKA, Bestand Herzogliches Konsortium, M 4, Nr. 4, Bd. I.
Der Kirchenbau muß heute bereits gesichert werden, da sie langsam einzustürzen beginnt

Fraßdorf und die Kirche

Fraßdorf o.K. (o.K. bedeutet = ohne Kirche)

Bereits im März 2017 hatte Dr. Jan Brademann zu einem Vortrag über die Kirche in Meilendor eingeladen. Auch für die Fraßdorfer war dieser Vortrag sicherlich von großem Interesse.

Bevor ich aber darauf eingehe, möchte ich einige Fragen in den Raum stellen mit der Hoffnung, daß vielleicht jemand eine Antwort geben kann.

  1. Warum wurde 1717 in Meilendorf eine Kirche gebaut, obwohl Fraßdorf damals schon mehr Einwohner hatte als Meilendorf?
  2. Ist Meilendorf nie „wüst“ gefallen und hatte deshalb immer eine Kirche?
  3. Hatten die „wüsten“ Dörfer JESUAR oder ETZDORF eine Kirche?
  4. Warum gehörte Fraßdorf bis ca. 1650 zur Kirche Quellendorf und dann danach zu Meilendorf?

Es ist also noch viel zu recherchieren…

Zum Thema

Im Jahre 1587 wurde Jobst Heise zu Reinsdorf (bei Görzig) mit dem „erbautem frey Ritterdienstgut“ in Fraßdorf belehnt, welches wahrscheinlich kurz vorher entstanden sein muß. Mit dem Bau des Rittergutes sind sicherlich dann auch die Leute zur Bewirtschaftung des Gutes angesiedelt worden. Zu dieser Zeit gehörte Fraßdorf wahrscheinlich zur Kirche Quellendorf.

Das ist anzunehmen, da 1651 eine Überschrift im Kirchenbuch von Meilendorf lautet: „Meilendorfer Taufregister, wozu auch Fraßdorf (oft Fraßdruff) von Altersher“ geschrieben steht.

Da Fraßdorf im Frühsommer des Jahres 1644 völlig zerstört und ohne Einwohner war, wurden dann wohl die neu angesiedelten Leute der Kirche Meilendorf zugeordnet.

Wer also nach seinen Vorfahren recherchiert, muß bis ca. 1650 im Quellendorfer Kirchenbuch suchen!

Ob das so ist, weiß ich auch nicht so genau.

Im Jahr 1761 wurde ein neues Lehnbuch für das Amt Fraßdorf angelegt. Darin sind die Fraßdorfer Untertanen namentlich genannt und ihre Belastungen festgelegt worden. Ein vermutlicher Vorfahre meiner Familie – Christoph Gotthardt – besitzt 6 Morgen Acker, Erbzins Martini 4 Taler und gibt die Sterbefälle 17 Groschen zur Lehnware. Er gibt dem Pfarrer zu Quellendorf 1 Groschen 6 Pfennige und 1 Metze Roggen und dem Schulmeister daselbst 2 Pfennige und ½ Metzte Roggen.

Damit stellt sich die Frage: wenn nun Fraßdorf seit 1651 zur Kirche Meilendorf gehört, warum dann 1761 der Pfarrer von Quellendorf von den Fraßdorfern Abgaben erhält?

Was weiß man über die Kirche von Meilendorf?

Eine Kirchenvisitation von 1534 (Reinhold Specht) schreibt folgendes:

„Pfarrgüter : 3 Hufen, Zinsen 22 Schl. (Scheffel) Korn, – 22 Schl. Zinsen 22 Gr.
-1 eiserne Kuh, zinst 1 Pfd Wachs – Können sich keinen eigenen Pfarrer und Küster halten, sondern geben dem Pfarrer zu Quellendorf jährlich 25 Gr. 9 Schl. Korn. Offertorium, 2 Neujahrsumgänge für die Verwaltung ihrer Pfarre.
Vorhegen die Custerey selb, süngen, was sie konnen.

  • Kirchengerät und Barschaft:
    1 grünes Ornat mit Requisiten
    1 altes purpurnes Ornat
    1 Meßbuch; 1 Agenda
    1 silb. Pacificale
    5 Schock bar Geld.
  • Aus der Kirche sind vor Jahresfrist 31 Fl. und ein Kelch gestohlen:“ (fast wie heute)

Weiter steht im „anhaltischen Land- und Amtsregister des 16. Jh. S. 141 f.
„1547 Der Pfarre zugehoer:
Es hat eine uf Clein Körnitzker Marke, die wirk(t) Peter Schadewald zu Zubeck, pachtet 10 Schl. an Hafer und rocken.
Item (ebenso) es hat 23 eiserne Schaf, zinset jährlich 23 gr.
Item 1 eisern Kuh, zinset 2 ½  gr.
Item 28 schl. Getreide an Hafer und rocken jerlich zins aus Meilendorf“

Es ist anzunehmen, das Fraßdorf doch zur Kirche Meilendorf gehörte, aber der Quellendorfer Pfarrer aushelfen mußte.

Wie es aber um die Bereitschaft in die Kirche zu gehen bestellt war, zeigt folgender Brief des Reupziger Pfarrers Ernst Reinschmidt (zuständig für Meilendorf) an den Superintendenten in Dessau von 1676:

„Wol Ehrwürdiger, Andächtiger und Hochgeahrter Superintendent pp
weil meine kranken fuße von geschwulsten und hitzigen blattern mir noch fast tag und nacht große schmertzen machen, so daß ich um die 6. bis 7. wochen keine Schuhe habe können anziehen, und daher solches nicht allein unterdessen meinen HochgeEhrten Herrn Superintendenten, sondern auch den Herrn Secretarium, in Abwesenheit des Herrn Cantzlers berichtet und gebeten, daß das nun vor 2 Jahren abgefaßte decretum an die Meilendorffischen Anspänner ausgefertiget, und ihnen mit ansehnlicher bedrohung anbefohlen werden möchte, damit sie  mich mit fuhre bey diesen beschwerlichen zustande abholen sollen, so ist doch bis dato nichts erfolget, haben auch geantwortet: sie hätten keinen befehl bekommen, und ob sie gleich denselben bekommen würden, wollten sie es doch allein nicht thun, wo nicht die von Adel, als Juncker Heise zu Fraßdorff und Juncker Schammer Pächtinhaber zu Zehmig ihre fuhren ihnen verrichten wurden.“

Das sagt uns, daß die Leute doch nicht so gottesfürchtig waren und froh waren, wenn der Pastor nicht kam. Auch Junker Heise aus Fraßdorf war da nicht besser, obwohl er sicherlich Pferde und Kutsche zur Verfügung hatte.

Sie müssen sich vorstellen, wie die Zeit um 1676 war. Man mußte zu Fuß nach Meilendorf. Feste Straßen gab es nicht. Pferde hatte nicht jeder. Und dann wurde auch noch Kollekte eingesammelt. Da ist man lieber einmal nicht in die Kirche gegangen.

Über die Kirche von Meilendorf, die auch die Fraßdorfer ist, möchte ich in einem weiteren Aufsatz berichten.

In Fraßdorf tut sich was – es wird wieder gebaut


Zusatz vom 23.März 2020Eine Aufnahme des Baugeschehens

23.03.2020
man kann sehen, das es vorangeht – der Rohbau ist fast fertig

29.01.2020 – Für Bautätigkeiten ist z. Z. das Wetter günstig, so daß die Firma „Bau Baer“ dabei ist die alten Silos zwischen Schulze und Venediger abzureißen. Diese Silos wurden Anfang der 60iger Jahre durch die damalige LPG Typ 3 „Hammer und Sichel“ gebaut, die dann etwas später der LPG „August Bebel“ beigetreten ist.

Diese Silos wurden nicht sehr lange genutzt, da sie für die Großtechnik – welche zum Silieren eingestzt wurde – baulicherseits schnell zu klein waren.

Auf diesem Gelände sollen nun weitere Eigenheime entstehen, denn der Anfang mit einem neuen Eigenheim ist bereits im vorrigen Jahr gemacht worden.

Wir Fraßdorfer freuen uns, wenn das Dorf neue Einwohner bekommt und sagen gerne allen „NeuFraßdorfern“ ein herzliches Willkommen!

die Grundfläche für ein neues Eigenheim wird abgesteckt und eingeebnet
die Grundfläche wird hergerichtet
das kleine blaue Häuschen steht schon da….
es ist noch Platz für einige weitere neue Eigenheime
noch ein anderer Blick auf das Areal

Beitrag zur Geschichte von Fraßdorf

Mir liegt das Protokollbuch der Dorfschulzen und Bürgermeister über abgehaltene Sitzungen der gewählten Vertreter von 1870 bis 1937 in Abschrift vor. Das Original verwaltet unsere Dorfchronistin Roswitha Schulze.

Aus diesem Protokollbuch möchte ich in loser Folge kleine Berichte veröffentlichen. Leider waren unsere Altvorderen nicht sehr mitteilungsbedürftig (das Schreiben war sicher schwierig), so daß oft nur protokolliert wurde: „es wurden weitere Gemeindeangelegenheiten beraten.“

– aber welche?

Diese Niederschrift betrifft die Wahl eines Schulzen. Sie lautet: „Der Maschinist Ernst Müller ist zum Schulzen, der Kossat Gottlieb Schmidt zum 1. Schöppen, der Resterateur Friedrich Kreuzmann zum 2. Schöppen den 11. April 1870 bis 11.April 1876 von der Gemeinde ausgewählt und von Herzöglicher Kreisdirektion bestätigt worden.“

Dieser Schulze – Ernst Müller – schrieb dann darunter: „Zum Andenken an den Feldzug gegen Frankreich 1870-1871 wurde von der Gemeinde eine Friedenseiche gepflanzt an der Schmiede, demnach ist diese Eigentum der Gemeinde. Zur Nachricht für die Nachfolger von Müller.“

Diese Friedenseiche muß aber nicht sehr alt geworden sein, denn am 17. März 1904 steht protokolliert: „In der heute abend vorschriftsmäßig zusammenberufenen Gemeindeversammlung wurde beschlossen undzwar einstimmig, daß die alte Friedenseiche abgehauen wird und eine andere an einen anderen Platz gepflanzt werde, welcher Platz am Abend bei der Gemeindeversammlung von den Anwesenden Gemeindemitgiedern mit der Laterne angesehen wurde. Es soll statt einer Eiche eine Linde gepflanzt werden, die selbst soll ein Geländer erhalten, welches vom Schmiedemeister Höhne auf Kosten der Gemeinde angefertigt wird.“

Der Gemeindevorstand BOTH

Auch diese Linde ist nicht sehr alt geworden, denn im Protokoll vom 2. März 1910 steht geschrieben: „Auch soll eine neue Friedenslinde angekauft und gepflanz werden.“
Ob die vorherige Linde eingegangen ist oder ob eine weitere Linde gepflanzt wurde, ist nicht protokolliert.

Ich persönlich kann mich aus Kinderzeit an eine Linde hinter dem jetzigen Kriegerdenkmal auf dem Bäckerplatz erinnern.

23.03.2020
Kriegerdenkmal auf dem Bäckerplatz – heute von Sträuchern umgeben

Eventuell weiß jemand, wann diese Linde abgeholzt wurde und könnte darüber berichten?

Günther Fischer

Aus der Arbeit der Jagdgenossenschaft Fraßdorf

Bericht über die Versammlung der Jagdgenossenschaft Fraßdorf

Zum 09.05.2019 waren alle Ackerbesitzer der Gemarkung Fraßdorf zur ordentlichen Mitgliederversammlung für das Jagdjahr 2018/19 eingeladen.

Die Versammlung wurde im Jagdwagen von Otto Both am ehemaligen Froschteich (neben dem ehemaligen Fischteich) durchgeführt.

Es wurde Rechenschaft über das vergangene Jagdjahr abgelegt, indem über die Jagdpachteinnahmen und deren Verwendung entschieden wurde.

Der Jagdpächter Herr Otto Both und seine Mitstreiter Oliver Hank und Matthias Weigt berichteten über den Wildbestand im Revier und über die Strecke im letzten Jagdjahr.

Der Jagdvorstand wurde neu gewählt. In den Vorstand wurden einstimmig benannt:

Herr Otto Both, Herr Günther Fischer, Herr Steffen Both und Herr Thomas Fischer

einige Teilnehmer der Versammlung

Leider waren nur 9 Genossen anwesend. Wir würden uns über eine größere Beteiligung im nächsten Jahr freuen.

Günther Fischer

Erste Flurwanderung in Fraßdorf – 14. Oktober 2018

Vertreter des Dorfklubs, der Freiwilligen Feuerwehr und des Ortschaftsrates Fraßdorf trafen sich Anfang September 2018 mehrfach zu Beratungen um nach den nunmehr schon wieder zwei Jahre zurückliegenden Festlichkeiten zum 750. Jubiläum der kleinen Ortschaft Fraßdorf wieder kulturelles Leben einzuhauchen.

Am 14. Oktober 2018 gab es einen Neustart – in Fraßdorf fand die nunmehr „Erste Flurwanderung“ statt.

Eine spontan eingebrachte Idee von Ortschaftsrat Günther Fischer zunächst erst einmal wieder alle interessierte Fraßdorfer zu einer informellen Flurbegehung einzuladen und somit auch das Interesse an der Geschichte unserer Region zu wecken fand sofort regen Anklang.

So folgten bei strahlendem Sonnenschein am Sonntagmorgen auch 45 Wissensdurstige und zwei lauffreudige Hunde dem regionalen Aufruf und starteten nach einer kurzen Einführung durch Herrn Fischer zu der auf dem Dorfplatz beginnenden knapp zweistündigen Tour quer durch die Fraßdorfer Flur.

Wer kennt denn schon die Grundstücksgrenzen der Gemarkung Fraßdorf oder weiß, dass der seit 1931 bestehende Fraßdorfer Friedhof zunächst auf einem Meilendorfer Flurstück errichtet wurde?

Wer weiß denn schon noch wo sich die Fraßdorfer „Galgenbreite“ befindet, welches Flurstück mit „Akazie“ und warum eine Fläche mit dem Namen: „Uhlenfeld“ bezeichnet wurde?

Nach ca. vier straff zu laufenden Kilometern mit sachkundigen Ausführungen von Günther Fischer und Ergänzungen von Otto Both fand die „Erste Fraßdorfer Flurwanderung“ an „Both‘s Jagdwagen“ am ehemaligen Fischteich ihren Abschluss.

Dort hatten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Fraßdorf einen kleinen Empfang vorbereitet welcher von allen dankend angenommen wurde.

Viele Teilnehmer bekundeten:

„…wir haben heute viel Neues erfahren und sehen unsere Fraßdorfer Umgebung nun mit ganz anderen Augen“.

und fragten natürlich auch an:

 „gibt es vielleicht auch noch eine Flurwanderung 2.0 oder auch andere Veranstaltungen in Fraßdorf?

Diese Frage darf nun mit einem klaren: „JA“ beantwortet werden.

Ich erlaube mir hiermit alle Fraßdorfer und auch sonst Interessierte Bürger aufzurufen sich auch an den nachfolgend geplanten Veranstaltungen in der Ortschaft Fraßdorf einzufinden und sich auch schon bei der Vorbereitung neue Ideen einzubringen und mitzuwirken, wie z.B. zu der:

  •  am 07.12.2018 geplanten „Weihnachtsfeier“
    [ab 15:00 Uhr; im Dorfgemeinschaftshaus Fraßdorf]
  • am 05.01.2019 geplanten: „Traditionellen Weihnachtsbaumverbrennung“ [ab 16:00 Uhr; auf dem Dorfplatz Fraßdorf]
  • am 25.01.2019 geplanten Vortrag: „Anbau und Verwertung von Sanddorn“ [ab 19:00 Uhr; im Dorfgemeinschaftshaus]

 Ihr
Ralf Moritz
Ortsbürgermeister

Hans Menzel berichtet aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Fraßdorf

Hans Menzel ist heute 89 Jahre alt und besuchte nach unserer 750-Jahrfeier im August 2016 den zur Zeit ältesten Bürger in Fraßdorf Heinz Both (92) und übergab ihm von sich – Hans Menzel – angefertigte Dorfansichten und er berichtete aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Fraßdorf.

Ich habe versucht, Menzels Bericht wiederzugeben:

1927 geboren, kam Hans Menzel als einjähriges Kind zu Pflegeeltern (Schumacher Kurt Hahn) nach Fraßdorf und verbrachte hier seine Kindheit, an die er sich gern zurück erinnert. Fraßdorf war damals ein Dorf abseits aller verkehrsreicher Straßen. Kaum ein fremdes Fahrzeug verirrte sich hieher. Nur eine Schotterstraße führte in den größeren Nachbarort Quellendorf.

Ein mit Vollgummireifen bestückter Lastwagen der Domäne, der jeden Herbst die Zuckerrüben in die Fabrik nach Prosigk brachte und der klapprige Laster der Schultheissbrauerei, der Bier und Stangeneis an Rößlers Gastwirtschaft lieferte, gehörten für uns Fraßdorfer Kinder damals zum Dorfbild. Da waren wir jedesmal stets auf der Hut, um wenigstens ein kleines Stück vom Stangeneis zu ergattern, wenn beim Abladen ein wenig davon abbrach. Das haben wir dann mit Genuß gelutscht. Fünf Pfennige, und damit ein kleines Vermögen zu jener Zeit, kostete das richtige Eis beim Eismann, der im Hochsommer auch mal im Dorf Station machte. „Kleene Pfingsten“ war in Quellendorf Hutreiten und Heiratsmarkt. Wer mit einem Fünfziger in der Tasche den besuchen konnte, war in unseren Augen schon reich. Begehrte Artikel damals waren Lutscher, Zündtütchenpistolen und Karusellfahren.

Die sozialen Unterschiede im Dorf waren damals groß. In Fraßdorf gab es sehr begüterte und weniger begüterte Bauern, Handwerker – vom Schmied über den Stellmacher bis hin zum Bäcker. Und es gab die Arbeiter auf der Domäne (wurde 1939 aufgesiedelt), die zu den Ärmsten im Dorf zählten.

Eine eigenartige Faszination für uns Dorfkinder ging von den Zigeunern aus, die sich zu den Jahrmärkten (damals auf dem Bäckerplatz) einfanden und mit ihren Wohnwagen am Rande des Wäldchens campierten. Menzel erinnert sich noch gut an eine Episode, von der man im Dorf damals noch lange sprach: Die Zigeuner besaßen einen Braunbären und boten jedem Geld an, der versuchte den Bären niederzuringen.  Ein Landarbeiter im besten Sonntagsanzug versuchte damals sein Glück. Doch der Bär zerkratzte ihm nicht nur das Gesicht, sondern zerfetzte ihm auch den Anzug.

Wenn wir nach der Schule nach Hause kamen, zog es uns zum Spielen auf die Straße. Da wurde gekreiselt, mit einer alten Fahrradfelge die Dorfstraße  auf und ab gereifelt oder Haschen und Suchen – auch Dorfsuche – gespielt. Der Gedenkstein für die Gefallenen von 1813 war ein beliebter Spielplatz. Einmal an einem schönen Sommertag sahen wir Kinder am Himmel plötzlich ein seltsames zigarrenförmiges silbernes Gebilde, das sich von Hinsdorf her in Richtung Dessau bewegte. Abends erzählte der Vater dann vom neuen Zeppelin LZ 127, der sich auf dem Rundflug über Deutschland befand. Flugzeuge waren uns damals nicht unbekannt, denn in Dessau gab ja das Junkerswerk. Es gab also einen regen Flugverkehr: Die JU 52, Ju 86 und die W 34 zählt der heute 89Jährige auf. Mit einem alten Küchenmesser schnitzte er später seine eigenen Holzflieger, war als 10Jähriger auf der Segelschule in Ballenstedt, lernte schließlich im Flugzeugmotorenzweigwerk der Junkerswerke in Köthen. Im 2. Lehrjahr saß Menzel erstmals in einer Pilotenkabine und durfte den Motor anlassen. Später gehörten auch Segelfluglehrgänge zu seiner Ausbildung. Die ersten Flugversuche unternahm ich auf dem Akazienberg bei Gröbzig, blickt Menzel zurück. Später ging es zum Fliegerhorst nach Köthen.

Noch heute beschäftigt sich Menzel sehr intensiv mit der Geschichte des Flugwesens.

 

 

DVD von unserem Fest kann erworben werden

 

Die DVD von unserem Jubiläumsfest „750 Jahre Fraßdorf“ ist fertig gestellt. Sie beinhaltet, außer natürlich den Festumzug auch Impressionen „Altes Handwerk“, das Maienausfahren vom 19. August 2016 und Geschichtliches zu Fraßdorf.
Die DVD kann für 15,00 Euro/Stück erworben werden.

Auch von unserer Festschrift zur 750-Jahrfeier können wir Ihnen noch Exemplare für 3,00 Euro/Stück anbieten. In dieser Festschrift  ist die Entwicklung des Dorfes in den 750 Jahren seines Bestehens kurz dargestellt und mit alten Fotos bestückt.

Bitte nutzen Sie für Bestellungen die e-Mail-Adresse  750jahre@frassdorf.de oder das Telefon 034977 21531

Gerne verschicken wir das Material auch gegen Überweisung der Unkosten. Bei Interesse kontaktieren Sie uns einfach!

 

Das Festkomitee