Hans Menzel berichtet aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Fraßdorf

Hans Menzel ist heute 89 Jahre alt und besuchte nach unserer 750-Jahrfeier im August 2016 den zur Zeit ältesten Bürger in Fraßdorf Heinz Both (92) und übergab ihm von sich – Hans Menzel – angefertigte Dorfansichten und er berichtete aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Fraßdorf.

Ich habe versucht, Menzels Bericht wiederzugeben:

1927 geboren, kam Hans Menzel als einjähriges Kind zu Pflegeeltern (Schumacher Kurt Hahn) nach Fraßdorf und verbrachte hier seine Kindheit, an die er sich gern zurück erinnert. Fraßdorf war damals ein Dorf abseits aller verkehrsreicher Straßen. Kaum ein fremdes Fahrzeug verirrte sich hieher. Nur eine Schotterstraße führte in den größeren Nachbarort Quellendorf.

Ein mit Vollgummireifen bestückter Lastwagen der Domäne, der jeden Herbst die Zuckerrüben in die Fabrik nach Prosigk brachte und der klapprige Laster der Schultheissbrauerei, der Bier und Stangeneis an Rößlers Gastwirtschaft lieferte, gehörten für uns Fraßdorfer Kinder damals zum Dorfbild. Da waren wir jedesmal stets auf der Hut, um wenigstens ein kleines Stück vom Stangeneis zu ergattern, wenn beim Abladen ein wenig davon abbrach. Das haben wir dann mit Genuß gelutscht. Fünf Pfennige, und damit ein kleines Vermögen zu jener Zeit, kostete das richtige Eis beim Eismann, der im Hochsommer auch mal im Dorf Station machte. „Kleene Pfingsten“ war in Quellendorf Hutreiten und Heiratsmarkt. Wer mit einem Fünfziger in der Tasche den besuchen konnte, war in unseren Augen schon reich. Begehrte Artikel damals waren Lutscher, Zündtütchenpistolen und Karusellfahren.

Die sozialen Unterschiede im Dorf waren damals groß. In Fraßdorf gab es sehr begüterte und weniger begüterte Bauern, Handwerker – vom Schmied über den Stellmacher bis hin zum Bäcker. Und es gab die Arbeiter auf der Domäne (wurde 1939 aufgesiedelt), die zu den Ärmsten im Dorf zählten.

Eine eigenartige Faszination für uns Dorfkinder ging von den Zigeunern aus, die sich zu den Jahrmärkten (damals auf dem Bäckerplatz) einfanden und mit ihren Wohnwagen am Rande des Wäldchens campierten. Menzel erinnert sich noch gut an eine Episode, von der man im Dorf damals noch lange sprach: Die Zigeuner besaßen einen Braunbären und boten jedem Geld an, der versuchte den Bären niederzuringen.  Ein Landarbeiter im besten Sonntagsanzug versuchte damals sein Glück. Doch der Bär zerkratzte ihm nicht nur das Gesicht, sondern zerfetzte ihm auch den Anzug.

Wenn wir nach der Schule nach Hause kamen, zog es uns zum Spielen auf die Straße. Da wurde gekreiselt, mit einer alten Fahrradfelge die Dorfstraße  auf und ab gereifelt oder Haschen und Suchen – auch Dorfsuche – gespielt. Der Gedenkstein für die Gefallenen von 1813 war ein beliebter Spielplatz. Einmal an einem schönen Sommertag sahen wir Kinder am Himmel plötzlich ein seltsames zigarrenförmiges silbernes Gebilde, das sich von Hinsdorf her in Richtung Dessau bewegte. Abends erzählte der Vater dann vom neuen Zeppelin LZ 127, der sich auf dem Rundflug über Deutschland befand. Flugzeuge waren uns damals nicht unbekannt, denn in Dessau gab ja das Junkerswerk. Es gab also einen regen Flugverkehr: Die JU 52, Ju 86 und die W 34 zählt der heute 89Jährige auf. Mit einem alten Küchenmesser schnitzte er später seine eigenen Holzflieger, war als 10Jähriger auf der Segelschule in Ballenstedt, lernte schließlich im Flugzeugmotorenzweigwerk der Junkerswerke in Köthen. Im 2. Lehrjahr saß Menzel erstmals in einer Pilotenkabine und durfte den Motor anlassen. Später gehörten auch Segelfluglehrgänge zu seiner Ausbildung. Die ersten Flugversuche unternahm ich auf dem Akazienberg bei Gröbzig, blickt Menzel zurück. Später ging es zum Fliegerhorst nach Köthen.

Noch heute beschäftigt sich Menzel sehr intensiv mit der Geschichte des Flugwesens.

 

 

2 Gedanken zu „Hans Menzel berichtet aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Fraßdorf“

    1. Danke für den Kommentar! Wir freuen uns, daß unsere Seite doch noch angeklickt wird, ist unser Fest doch schon ein weilchen vorüber und die Berichte werden spärlicher.

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