Aus Fraßdorfs Vergangenheit:

Die Villa „Sick dich für“

Diese Malerei von Hans Menzel zeigt die „Käsevilla“ oder Villa „Sick dich für“ bereits als Wohnhaus am Feldweg nach Zehmigkau

Wo heute hinter dem Dorfgemeinschaftshaus drei Garagen stehen, stand bis etwa 1970 ein großer Schafstall. (siehe auch die Ortsdraufsicht weiter unten im Text) Der letzte Schäfer war Otto Frohberg aus Meilendorf.

Bis zum Jahr 1870 etwa stand im dahinter liegendem Schäfergarten das alte Käsehaus. Damals war die Domäne noch selbständiger Gutsbezirk und hatte seine eigene Käserei. In diesem Gebäude reifte der hergestellte Käse.

Mit Enstehen der Molkerei in Quellendorf etwa um 1901 wurde dann die Milchverarbeitung auf den Höfen weitestgehend eingestellt. Butter, Quark, Käse wurden ab da in der Molkerei zentral hergestellt und vermarktet. Somit wurde dann das Käsehaus überflüssig.

Ortsdraufsicht von Fraßdorf um 1938
-Mit IV ist die Villa „Sick dich für“ auf der Karte markiert
; auch die Akazien sind mit 4 Punkten eingezeichnet worden

Aber bereits zuvor wurde dieses Käsehaus abgetragen und am damaligen Feldweg nach Zehmigkau (wo heute das Haus der Familie Venediger steht) als Wohnhaus wieder aufgebaut. Bis in die 1930iger Jahre war dieses Haus bewohnt, undzwar von Aufsehern und Landarbeitern der Domäne. Damals war der Standort des Hauses doch weiter vom eigentlichen Dorf entfernt gewählt worden, so daß es eine Einzelstellung hatte. Die auf dem Bild sichtbaren breiten Akazienbäume spendeten reichlich Schatten und machten es zu einer angenehmen Wohnstätte. Oft müssen diese Akazien in der Dämmerung besonders düster gewirkt haben und in der Vorstellung mancher Dorfbewohner an der manchmal unbewohnten „Villa“ böse Geister heraufbeschworen haben. Ein Schornstein- und Dachstuhlbrand und andere unklar gebliebene spukhafte Dinge in diesem Häuschen haben die Meinung von der Anwesenheit von Gespenstern bestärkt, daher dann auch der Name „Villa sieck dich für“ stammt.

Erwähnenswert ist, daß das Haus in 1870/1880iger Jahren ein Aufseher namens Dürre bewohnte. Sein Sohn Wilhelm besuchte die damalige zweiklassige Dorfschule mit Erfolg und konnte seiner Fähigkeiten wegen als Schulhelfer dem oft erkrankten und von 1877 bis 1882 hier amtierenden Lehrer Friedrich Vettmer zur Seite stehen. Von unserer Dorfschule aus kam Wilhelm Dürre zum Landesseminar nach Köthen. Später machte er sich als Chordirektor in Dessau einen Namen.

Nach dem Aufseher Dürre hat noch fast vier Jahrzehnte der tüchtige Hofmeister Behrendt die segensreiche Arbeit auf seinem Posten für die Domäne geleistet und in der „Villa“ gewohnt

Die Aufnahme zeigt die Käsevilla um 1935 mit ihren Bewohnern Herrn Karl und Frau Wilhelmine Behrendt;
Nachkommen der auf dem Bild stehnden Karl und Wilhelmine Behrend waren im Mai 2007 auf der Suche nach ihren Wurzeln in Fraßdorf bei Roßwitha Schulze, der Ortschronistin von Fraßdorf erschienen, um auf den Wegen ihrer Großeltern und Eltern zu wandeln und fertigten diese Ahnentafel an.

Um 1940 wurde dieses Haus dann im Zuge der Aufsiedlung der Domäne von einem Quellendorfer Bauunternehmen abgerissen. Die Steine und das Holz dieses doch sicher auch mehr als hundert Jahre alten Fachwerkhauses wurden wieder verwendet, was damals zum dritten mal geschah!

Roswitha Schulze

Im den Jahren 1955/56 wurde dieses Haus von Paul Venediger an dem Standort der damaligen „Käsevilla“ errichtet. Ein Sohn, Peter Venediger und seine Familie wohnt heute noch in diesem Haus

1955 baute die Familie Paul und Erika Venediger mit ihren Kindern aus Aken an dieser Stelle ein neues Haus

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