Die Fraßdorfer Domäne wird aufgeteilt

1600 Morgen (400ha) werden zu Bauernhöfen aufgesiedelt und Fraßdorf wird 1936 ein echtes Bauerndorf

im „Anhalter Anzeiger“1940 ist zu lesen: Elf neue Bauernhöfe entstehen.

Im Juni 1936 wurde die Domäne Fraßdorf an die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Sachsenland abgetreten, die mit der Bildung neuen deutschen Bauerntums beauftragt ist. Der Grund und Boden der Domäne ist etwa 1600 Morgen groß und liegt in den Gemarkungen Fraßdorf und dem einen Kilometer von Fraßdorf entfernten Ort Zehmigkau. Da der Boden zum Teil lehmig, andernteils sandig ist, eignet er sich zum Anbau von Früchten.

Bereits neun Bauern wurde in den vergangenen Jahren die Möglichkeit gegeben, Land, das ihren Grundstücken nahe lag, von der Aufsiedlungsfläche der Domäne zu erwerben. Durch diese Auffüllung bis zu 50 Morgen Land wurde für jeden die Ackernahrung sichergestellt. Kleinbäuerliche Betriebe in Quellendorf, Friedrichsdorf, Libehna, Repau, Meilendorf, Zehmigkau und Fraßdorf wurden mit Landzulagen bedacht, und viele dieser Wirtschaften wurden dadurch zu Erbhöfen.

Einigen Landwirten wurde die zeitraubende Bestellung ihrer Äcker in fremden Fluren dadurch erleichtert, dass sie ihre Felder durch Flurenaustausch in wirtschaftlich praktischer Nähe erhielten.

Im Zusammenhang mit der Aufsiedlung der Domäne Fraßdorf wurde aber auch freies Ackerland noch hinzugewonnen. So hatte man bereits die mehr als 100 Jahre alte Obstdarre, ein festes Gewölbe aus Feldsteinen, das sich zwischen Zehmigkau und Fraßdorf befand, abgebrochen. Die Steine wurden zu einem anderen Bau verwendet. Gleichzeitig wurden auch die Bäume der ebenfalls über 100 Jahre alten Obstplantage gerodet. Auch die Domänengärtnerei verschwand. Durch diese Maßnahme sind zusätzlich mehrere Morgen Ackerland für die Aufsiedlung frei geworden.

Den neuen Bauernhöfen, die nun in diesem Jahre entstehen sollen, stehen etwa 1200 Morgen Land zur Verfügung. Elf neue Bauernfamilien, die vom Reichsnährstand herausgesucht werden und erbgesund und wirtschaftlich züchtig sein müssen, werden auf diesem Grund und Boden ihre neue Heimat finden.

Im vergangenen Jahr wurde schon mit dem Umbau der Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Domäne begonnen. Hier sollen 8 neue Höfe entstehen.

Fraßdorf –     Siedlerstellen     

1. – Adelbert Lange

2. – Paul Schulze

3. – Heinrich Schmidt

4. – Ernst Schlüter

5. – Karl Steffan

6. – Adolf Maier

7. – Gustav Zander

8. – Elli Winter (später Heinrich)

Dabei wird das frühere Wohnhaus des ehemaligen Domänenpächters zum Bauernhaus für einen 260 Morgen großen Hof von Adelbert Lange

Drei weitere Höfe mit 110 bis 130 Morgen Land (Winter, Schlüter, Schmidt) und vier Höfe mit 75 bis 80 Morgen (Steffan, Schulze, Zander, Maier) wurden noch ausgebaut.

In Zehmigkau, das ebenfalls Fraßdorfer Feldmark hat, stehen schon die Mauern eines Bauernhauses. 75 Morgen Land sind dieser Wirtschaft zugedacht (Bank).

Ein altes Wohnhaus in Zehmigkau befindet sich gerade im Abbruch. Auf diesem Grund soll ein neuer Landwirtschaftsbetrieb mit ebenfalls 75 Morgen Acker geschaffen werden (Casaer, danach Wichmann).

Schließlich wird noch ein neuer Bauernhof mit 70 Morgen Flur nach Meilendorf kommen, weil sich die Fläche der Domäne bis in den Westen von Libehna hinzieht (Otto Frohberg).

So werden in diesen Jahren 11 Neubauernhöfe auf der Fraßdorfer Flur entstehen, die zu ihrem Teile beitragen werden, die Ernährung unserer Völker durch eigene Erzeugung sicherzustellen.

1940 „Anhalter Anzeiger“

Anmerkung:

Gegenwärtig gibt es keinen dieser Bauernhöfe mehr als selbstwirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieb. In den 1950/60iger Jahren haben alle Bauernhöfe (zum Teil auch mit Zwang) in LPG´s zusammen gewirtschaftet.

Jedoch auch nach der Wende 1990 hat keiner dieser Höfe einen Neuanfang als selbständiger Bauer vollzogen.

Heute arbeiten nur noch zwei Fraßdorfer Bürger direkt in der Landwirtschaft.

Günther Fischer

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